Was, wenn sie mich nicht mögen? – Über Ablehnung, Selbstzweifel und den Mut, trotzdem auf andere zuzugehen

Es ist Anfang September. Wahrscheinlich einer der letzten sommerlichen Tage in diesem Jahr. Ich blicke zurück auf die diesjährige Festival Saison (ok, zugegeben, war sie dieses Jahr für mich extrem überschaubar. Genau genommen war ich nur in Wacken …) und reflektiere meine Erfahrungen, die ich in diesem Sommer gemacht habe. Dabei wird mir bewusst, was sich bei mir in all den Jahren, die ich schon nach Wacken fahre (seit 2011, um genau zu sein), verändert hat.

Früher war ich ein sehr schüchternes, unsicheres Mädchen, das sich nichts sehnlicher gewünscht hat, als Anschluss unter Gleichgesinnten zu finden. Aber andere Menschen anzusprechen, war für mich unmöglich.

Ich war ständig im Infield unterwegs, bin von einer Bühne zur nächsten gelaufen und war Teil einer Menge von über 80.000 Metalheads. Und gleichzeitig habe ich mich innerlich einsam und isoliert gefühlt, ohne einen Plan zu haben, wie ich mit den Menschen um mich herum in Kontakt treten konnte.

Heute hat sich vieles verändert. Nach wie vor bin ich nicht der Typ, der jeden einfach so anquatscht (das ist einfach nicht meine Art), aber ich habe auch nicht mehr den inneren Druck, unbedingt mit anderen Menschen in Kontakt kommen zu müssen. Denn heute bin ich in Kontakt mit mir selbst. Ich ruhe mehr in mir und dadurch brauche ich den Kontakt zu anderen nicht mehr, um mich verbunden zu fühlen.

Und gleichzeitig spüre ich, dass ich mich, wenn es mir wichtig genug ist, überwinden kann, mein Gegenüber anzusprechen. Und ja, es kostet mich manchmal auch heute noch Überwindung. Aber der Unterschied ist der: Wenn es mir wichtig genug ist, weiß ich, dass ich mich überwinden kann und dabei nicht sterbe!

Warum es uns so schwerfällt, auf andere zuzugehen

Aber warum fällt es vielen von uns so schwer, andere Menschen anzusprechen? Selbst dann (oder ausgerechnet dann), wenn es sich um Gleichgesinnte handelt, die doch mit uns auf einer Wellenlänge liegen, uns mögen oder uns zumindest respektieren sollten?

Wenn wir jemanden ansprechen, setzen wir uns einer möglichen Bewertung aus. Was, wenn die Person kein Interesse hat? Was, wenn sie uns unsympathisch findet? Was, wenn wir uns blamieren?

Hinter solchen Ängsten können frühere Erfahrungen von Ablehnung stehen. Wenn Menschen im Laufe ihres Lebens, oft sogar schon in frühester Kindheit, die Erfahrung machen, so, wie sie sind, nicht angenommen zu werden, können daraus hartnäckige Prägungen entstehen. Überzeugungen, die auf diese Weise entstehen und das spätere Leben beeinflussen, sind vielfältig und gehen häufig in die Richtung, dass sie „nicht gut genug“ seien und sich anpassen müssten, um geliebt zu werden.

Sie lernen, nicht „zu laut“ zu sein, „sich anstrengen zu müssen“, um geliebt zu werden, oder dass andere „besser“, „erfolgreicher“, „schöner“ oder „liebenswerter“ sind als sie selbst. Weil diese Erfahrungen so schmerzhaft sind, können sie sich besonders stark in unserem emotionalen Gedächtnis verankern und später in Situationen wieder aktiv werden, in denen Ablehnung möglich wäre. Also gerade unter Menschen, von denen wir eigentlich gemocht werden möchten.

Wenn du früh gelernt hast, dass Ablehnung schmerzhaft oder sogar gefährlich sein kann, kann eine solche Situation deshalb Ängste auslösen, die deutlich über „ein bisschen Schüchternheit“ hinausgehen.

Da es besonders weh tut, abgelehnt zu werden, wenn man eigentlich dazugehören möchte, kann es Betroffenen besonders schwerfallen, Gleichgesinnte anzusprechen. Wenn du einem Gegenüber weniger Bedeutung beimisst, fühlt sich Ablehnung nicht halb so schmerzhaft an, wie wenn dein größter Wunsch ist, angenommen zu werden und dazuzugehören.

Deshalb können wir ausgerechnet bei den Menschen am meisten blockieren, bei denen wir uns eigentlich zugehörig fühlen möchten.

Der Moment, in dem ich mich trotzdem getraut habe

Der herausforderndste Moment für mich in diesem Jahr in Wacken war, als ich mir die Lesung von Jana Solveig und Uwe Lerch aus ihrem Buch „Amplify Your Life“ anhörte und mich hinterher mit ihnen austauschen wollte. Obwohl ich rational davon ausgegangen bin, dass sie mich nicht beißen würden, war da eine innere Stimme in mir, die mir zuflüsterte, dass es doch besser und auf jeden Fall leichter wäre, einfach zu gehen.

Denn was wäre, wenn die beiden nicht mit mir reden wollen würden, wenn sie keine Zeit hätten oder das, was ich sage, blöd finden würden? Es wäre allzu leicht gewesen, dieser Stimme nachzugeben, was ich früher viele Male getan habe.

Aber heute nicht mehr!

Nach der Lesung bin ich also zu ihnen an den Tisch getreten und habe mich bei ihnen vorgestellt, trotz aller Aufregung, die in mir tobte. Und was soll ich sagen? Es war ein großartiges Gespräch. Wir haben Kontaktdaten getauscht und danach bin ich ganz angefixt an den Stand des Female Fronted Rock e. V. gegangen und habe die Leute dort angequatscht. Ich fühlte mich voll im Flow und auf einmal war es leicht!

Aber das war für mich nicht immer so in meinem Leben. Dorthin zu kommen, war ein Prozess.

Was hatte sich also verändert? Nicht die Menschen um mich herum. Und auch nicht die Tatsache, dass ich abgelehnt werden könnte. Verändert hatte sich vor allem das, was ich über mich selbst glaube.

Aber heute nicht mehr!

Nach der Lesung bin ich somit zu ihnen an den Tisch getreten und habe mich ihnen vorgestellt – trotz aller Aufregung, die in mir tobte. Und was soll ich sagen? Es war ein großartiges Gespräch, wir haben Kontaktdaten getauscht und danach bin ich ganz angefixt an den Stand des Female Fronted Rock e. V. gegangen und habe die Leute dort angequatscht. Ich fühlte mich voll im Flow und auf einmal war es leicht! Aber das war für mich nicht immer so in meinem Leben. Dorthin zu kommen, war ein Prozess.

Was hatte sich also verändert? Nicht die Menschen um mich herum. Und auch nicht die Tatsache, dass ich abgelehnt werden könnte. Verändert hatte sich vor allem das, was ich über mich selbst glaube.

Die Veränderung

Wenn du auch selbstbewusster werden möchtest, ist genau das dein erster Schritt: Werde dir selbst bewusst!

Was erzählst du dir über dich selbst? Was denkst du unbewusst? Meist sind das Geschichten wie „Ich bin nicht gut genug“, „Niemand mag mich“, „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, „Die Leute anzusprechen, ist voll peinlich“.

Jedes Mal, wenn du dich dabei beobachtest, wieder solche Gedanken zu denken, sage (am besten laut): „STOPP!“ Nicht, um den Gedanken mit Gewalt loszuwerden, sondern um ihn überhaupt erst wahrzunehmen und einen Moment Abstand zu gewinnen. So unterbrichst du den Kreislauf aus selbstabwertenden Gedanken und der daraus entstehenden Unsicherheit und gewinnst Raum, eine neue Perspektive und neue Gedanken zu wählen, die mehr dem entsprechen, wie du dich selbst sehen und erleben möchtest.

Die Ablehnung beginnt in deinem eigenen Kopf

Weißt du, das Verrückte ist, dass hinter dieser Selbstablehnung zum einen Botschaften stecken, die uns andere Menschen mitgegeben haben und die in Wirklichkeit DEREN Wahrheit sind, aber nicht deine! Und gleichzeitig ist Selbstablehnung eine Schutzstrategie. Dadurch, dass du die mögliche Ablehnung durch andere Menschen sozusagen vorwegnimmst, hast du das Gefühl, dich vor dem Schmerz, den die Ablehnung auslösen würde, zu schützen.

Leider funktioniert das aber nicht so. Stattdessen spürst du den Schmerz zweimal: in dem Moment, in dem die Stimme der Ablehnung in dir laut wird, und dann, wenn du tatsächlich zurückgewiesen werden solltest.

Dazu kommt noch, dass deine Selbstablehnung die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, Erfahrungen von Ablehnung zu machen: Wenn du davon ausgehst, dass andere dich sowieso nicht mögen, sprichst du vielleicht weniger Menschen an, wirkst angespannter, ziehst dich schneller aus Kontakten zurück oder interpretierst eigentlich neutrale Reaktionen als Ablehnung. Dadurch können sich deine Befürchtungen tatsächlich (vermeintlich) bestätigen.

Wer bist du auf deiner eigenen Bühne?

Also frage dich: Ist das, was du über dich denkst, wirklich die Wahrheit?

Und wenn du auch nur das kleinste Gefühl hast, dass es möglicherweise nicht die Wahrheit ist, erlaube dir, neu zu wählen, wie du dich sehen möchtest. Vielleicht nicht mehr als die Person, die am Rand steht und darauf wartet, abgelehnt zu werden. Sondern als Rockstar auf der Bühne deines eigenen Lebens!

Und dann sei mutig: Suche dir kleine Momente, in denen du als dieser Rockstar auftreten kannst. Du wirst sehen, dass du mehr positive Erfahrungen machen wirst, als du dir heute vorstellen kannst.

Zum Abschluss: Teile doch mal in den Kommentaren, welche Gedanken dir (oder Menschen, die du kennst) häufig durch den Kopf gehen. Du kannst sie mir auch gerne per Mail schicken, wenn du sie nicht öffentlich verraten willst. Schreib mir einfach an kontakt@kerstin-coach.de.

Und wenn du dir jemanden an deiner Seite wünschst, der dir hilft, deine alten Überzeugungen wirklich zu verändern, lass uns sprechen und schauen, ob wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen. Ich freue mich darauf!

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