
Die wichtigste Antwort, die kaum jemand kennt
Warum fühle ich mich einsam? Das ist eine Frage, die mich in meinem Leben immer wieder auf die eine oder andere Weise beschäftigt hat. Dabei hat sich dieses Biest der Einsamkeit in ganz unterschiedliche Gewänder gekleidet.
Zuerst zeigte sie sich im Teenager-Alter mit der Frage: „Warum habe ich oft keine Lust, mich mit meinen Freundinnen zu treffen? Warum erfüllt mich ihre Gesellschaft nicht wirklich, sodass ich meine Freizeit lieber alleine verbringe?“
Im jungen Erwachsenenalter kam die Frage dazu: „Warum gelingt es mir nicht, einen Partner zu finden?“
Äußerlich betrachtet fehlte es mir dabei an wenig. Es gab immer Menschen in meinem Leben, die zu mir gestanden haben (mal mehr, mal weniger) und dennoch fehlte etwas in mir: Aber was?
Diese Frage hat dazu geführt, dass ich mich irgendwann auf die Suche gemacht habe. Auf die Suche nach diesem fehlenden Bruchstück, das immer wieder dazu geführt hat, dass ich mich einsam gefühlt habe, unverstanden, anders und dass ich das Gefühl hatte, dass das mein Leben lang so bleiben würde…
Was Einsamkeit wirklich ist
Zunächst einmal möchte ich betonen, dass Einsamkeit und Alleinsein nicht das Gleiche sind. Ich unterscheide bewusst zwischen beiden:
Alleinsein ist ein Zustand, in dem du nur mit dir selbst bist, ohne einen anderen Menschen in deiner Nähe. Dieser Zustand an sich ist neutral und kann als angenehm und wertvoll, aber auch als extrem belastend und beängstigend wahrgenommen werden.

Einsamkeit dagegen ist ein Gefühl. Es zeigt sich auf ganz unterschiedliche Weise: In dem Bedürfnis nach Gesellschaft, in Trauer um einen anderen Menschen oder in Trauer um fehlende Kontakte. Sie zeigt sich in Hilflosigkeit und Ohnmacht, in Angst, vielleicht sogar in Wut. In jedem Fall ist es ein Gefühl, das als schmerzhaft wahrgenommen wird und aus dem der Ausweg oft nicht mehr sichtbar ist.
Wenn du dich selbst schon öfters einsam gefühlt hast, hast du bestimmt häufiger den Satz gehört: „Du muss halt öfters unter Menschen gehen.“ Dazu kommen dann oft Ratschläge wie: „Melde dich doch mal in einem Verein an.“, “Geh doch mal ins Internet. Da gibt es verschiedene Seiten, auf denen du Leute kennenlernen kannst.“ Oder in meinem Fall: „Du bist doch viel auf Konzerten. Kannst du da nicht jemanden ansprechen?“ Und ganz oft funktioniert genau das eben nicht. Ich bin raus gegangen: Zum Volleyball, zum Yoga, auf Konzerte, auf Festivals. Ich habe auch versucht, Kontakte über das Internet zu knüpfen – und meistens bin ich gescheitert. So, wie viele andere Betroffene auch.
Ratschläge helfen nicht
Der Grund dafür ist der: Solche Ratschläge, so gut gemeint sie sind und so sinnvoll sie erst mal erscheinen, lösen nicht die eigentliche Ursache der Einsamkeit: Den fehlenden Bezug zu sich selbst! In Wahrheit ist Einsamkeit nämlich nicht die reine Folge fehlender Kontakte mit anderen Menschen. Sie ist das spürbare Symptom der fehlenden Verbundenheit mit sich selbst.
Deshalb gibt es Menschen, die sich alleine pudelwohl fühlen und Zeit mit sich selbst genießen können.
Deshalb gibt es aber auch Menschen, die sich gerade in Gruppen besonders einsam fühlen.
Deshalb gibt es sogar Menschen, die sich innerhalb funktionierender und eigentlich sogar glücklicher Partnerschaften einsam fühlen.
Denn wenn du nicht mit dir verbunden bist, kannst du keine dauerhafte Nähe zu anderen Menschen spüren.
Die eigentliche Ursache der Einsamkeit

Dabei hatten wir diesen Bezug zu uns selbst alle, als wir auf die Welt gekommen sind. Jedoch verlieren viele von uns ihn leider meist im Laufe unseres Lebens:
Wir lernen schon als Kinder, dass wir auf eine bestimmte Art und Weise zu sein haben, oder bestimmte Anteile unseres Wesens nicht zeigen dürfen. Wir sollen lieb, nett und angepasst sein. Oft wird uns eingetrichtert, dass die Bedürfnisse der anderen wichtiger sind, als unsere eigenen und dass wir es allen anderen möglichst recht machen sollen, damit wir liebenswert sind.
Auf diese Weise beginnen wir mehr und mehr unseren Wert an das Außen zu knüpfen und damit auch unsere Aufmerksamkeit auf unsere Mitmenschen zu richten. Wir definieren uns als liebenswert, wenn wir für andere da sind und als egoistisch, wenn wir zuerst auf unser eigenes Wohlbefinden schauen.
Auf diese Weise verlieren wir aber die wichtigste Beziehung in unserem Leben: Die zu uns selbst!
Eng damit einher geht, dass wir als Kinder lernen, dass andere Menschen für die Erfüllung unserer Bedürfnisse verantwortlich sind. Und während das der Wahrheit entspricht, solange wir Kinder sind, bekommen viele von uns den Übergang nicht hin, als Erwachsene die Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse selbst zu übernehmen. Paradoxerweise kümmern wir uns dann um die Bedürfnisse unserer Mitmenschen und vernachlässigen unsere eigenen, während wir gleichzeitig erwarten, dass die anderen sich wiederum um unsere Bedürfnisse kümmern. Verrückt, oder? Und dabei fühlen wir uns nur glücklich und erfüllt, wenn unsere Bedürfnisse gestillt sind. Wenn wir aber die Verantwortung dafür nach außen abgeben, bleibt oft eine innere Leere zurück.
Und natürlich verläuft kein Leben ohne Herausforderungen. Es gibt wahrscheinlich keinen Menschen auf dieser Welt, der nicht irgendwann im Laufe seines Lebens von einem anderen Menschen emotional verletzt wurde. Da solche Verletzungen aber sehr weh tun, versuchen wir, uns vor weiteren ähnlichen Erfahrungen zu schützen. Das tun wir, indem wir uns emotional verschließen, eine Schutzmauer hochziehen und andere Menschen nicht mehr wirklich an uns heranlassen. Hinter dieser Schutzmauer vereinsamen wir jedoch mehr und mehr.
Die ersten Schritte aus der Einsamkeit
Für mich persönlich war der erste Schritt aus der Einsamkeit, erst mal zu erkennen, mit welchen Schutzmechanismen ich mich vor emotionalen Verletzungen, damit aber auch vor (zu viel) Nähe geschützt habe. Und gleichzeitig durfte ich erst mal lernen, mich selbst anzunehmen, für mich einzustehen, mich wirklich wichtig zu nehmen und damit die Verantwortung für meine Bedürfnisse zu übernehmen.
Wenn es dir ähnlich geht und du dich in meiner Geschichte wiedererkannt hast, lade ich dich ein, dich das nächste Mal, wenn die Einsamkeit dich zu überrollen droht, zu fragen:
Was wünschst du dir gerade wirklich? Welches deiner Bedürfnisse ist gerade nicht erfüllt?
Wovor hast du gerade am meisten Angst? Vielleicht davor, verletzt zu werden? Vielleicht davor, alleine zu bleiben?
Und was kannst du selbst gerade für dich tun, um dich ein kleines bisschen – wirklich nur ein kleines bisschen – besser zu fühlen?
Und wenn du tiefer mit mir in das Thema der Einsamkeit einsteigen willst, kannst du dich jetzt schon auf viele weitere Artikel freuen, die ich in den kommenden Wochen veröffentlichen werde.
Bis dahin folge mir auch gerne auf Instagram unter:
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Und wenn dich ein Thema besonders interessiert oder du Fragen hast, schreibe sie auf jeden Fall in die Kommentare. Ich werde sie super gerne aufgreifen und sie in einem der nächsten Beiträge Beitrag beantworten!